Der Neger von Kurpfalz
Vom Zusammenstoß mit einer US-Militärstreife im Sommer 1945.
Nach dem Bericht von Dr. Ernst K.
Drei zogen müde über
deutsche Erde,
das große Feuer hatte ausgebrannt,
und dachten daran, was nun kommen werde
und strebten heimwärts, möglichst unerkannt,
hier Löwenzahn gerupft am Wegesrand,
dort Brot und Suppe gar von einem Herde.
Wir schliefen im Gestrüpp,
scheu, wie die Diebe,
daß man uns nicht, vom Schlachtentod verschmäht,
nun doch versklavt und in die Knechtschaft triebe.
Wir ahnten, daß das Sterben weitergeht
im Hunger, der geplant. Am Wegrand öd
stand leis' der Tod, zu sehen, wo er bliebe.
Motorenlärm! Gefahr! "Dort
naht ein Wagen!"
"Nur Ruhe jetzt, sonst schöpfen sie Verdacht."
Sie hielten an. Ein Prüfen und ein Fragen:
"Entlassungsschein?" Der Schwarze hat gelacht!
Und dann auf Deutsch: "Papiere gut gemacht!"
"Sind wir entdeckt?" Wir wähnten uns geschlagen.
Jedoch, sieh' da: Er reicht' vom
Wagen nieder
die plumpe Fälschung, die er hat erkannt,
fuhr fort auf Deutsch: "Ich kommen später wieder!
Ihr warten hier auf mich am Straßenrand!"
Der Seinen keiner sonst, der Deutsch verstand.
Wir ließen bangend uns am Raine nieder.
Zurück kam er nach mehr als
einer Stunde
mit schwerem Sack und querfeldein, zu Fuß.
"Das sein für Euch!", klang es aus seinem Munde,
und Brot und Dosenfleisch und Pflaumenmus,
das türmt' er auf und lächelte zum Gruß,
gebleckt die weißen Zähne in die Runde.
Mein Vater war Soldat im
Ersten Kriege
für German Kaiser: Immer vorwärts, ran!
In Afrika stand einstens seine Wiege.
Uns immer sagen: German gutes Mann,
und lernen Deutsch und immer denken dran:
Mit Lettow-Vorbeck viele große Siege."
Was andre säten, uns war's
zugemessen!
Wir drückten alle seine schwarze Hand
und gierig schlingend haben wir gesessen.
Der Mohr, die Schuldigkeit getan, verschwand,
doch keiner von uns jemals hat das Band,
das seinen Stamm und unser Volk verband,
bis an das Ende seines Wegs vergessen.
|