Der Mohr von Memmingen

Vom Gang der SS-Maid Friedl
in die US-Gefangenschaft.

Geschrieben aus Anlaß von Friedls achtzigstem Geburtstag.


Es zählte die Friedel erst achtzehn Jahr',
als den Berghof die Feinde nahmen.
Und sie trieben der Mädel bange Schar,
die den rauchenden Trümmern entkamen,
in das Camp, das eilig errichtet war,
mit der Waffen-SS zusammen.

Und der Hunger kam, Verhör und Gewalt
und der Schlamm: wo Rinder sonst weiden,
da teilten die nackte Erde kalt,
Latrine bei Durchfall, und Leiden
und Wassersuppe ohne Gehalt
sich die Burschen dort mit den Maiden.

Als schließlich nach Wochen die Küche stand
hat die Stunde der Mädchen geschlagen:
Schnell an den Herd, die Feuer entbrannt,
und sie kochten mit hungrigem Magen,
heimlich sich stillend mit flinker Hand
den Hunger von sechzig Tagen.

Ein kärgliches Mahl nur wurde gereicht,
den Hungernden in den Zelten,
das zum Sterben grade hätte gereicht:
Welch grausam und grundlos Vergelten!
Und ein tapferes Herz, das sich erweicht,
das fand man nur heimlich und selten.

Als endlich der Abend kam, hieß es dann:
"Abmarsch zu den Quartieren!"
Ein baumlanger Neger brüllte sie an,
zu Gefallen den Offizieren:
"Mädchen nix schmuggeln Essen für Mann!
Sonst Arbeit in Küche verlieren!"

Und sie traten in langer Reihe an
und bebend, zur "Leibesvisite".
Er packte sie rauh und gleichmütig an,
bis zum Schritt und auch um die Mitte.
Als die Letzte erst war die Friedl dran,
totenbleich und mit wankendem Schritte.

Verschnürt an den Knöcheln das Hosenbein,
den Overall voll, ab den Waden,
und Beute gestopft und gepackt hinein:
Brot! Brot für die Kameraden!
Und in ein schwarzes Antlitz von Stein,
nun blickt' sie, mit Diebsgut beladen.

Doch da: in dem pechschwarzen Angesicht
ein Zwinkern schien jäh zu erblühen,
so wie im Dunkel oft funkelt ein Licht,
indes fort er gegrollt und geschrien:
"Du schlechtes Weib! Dich anfassen nicht!"
Und noch brüllend ließ er sie ziehen!

Und so ging es weiter dann wochenlang!
Sie alleine wollte es wagen
und hat all' die Tage am Leibe bang
in die Zelte das Brot getragen!
Das falsche Toben des Negers ihr klang
wie Musik, zu vom Winde getragen.

Später rief ein Emigrant zum Verhör:
Schon morgen da könne sie gehen,
denn es gelte, wer aus Österreich wär',
nun als "schuldlos". Das wäre doch schön?
Drauf Friedel: "Nein, dann bleibe ich, Sir!
Ich bin Deutsche. Sie werden verstehen!"

Und für ihr Bekennen hat sie bezahlt,
die Friedel, die Stolze, die Treue,
mit weiteren Jahren in der Gewalt
der Sieger und trug keine Reue,
von der Hintergrundmächte Mißgestalt
bestraft und versklavt drum aufs Neue.

Den Mohren jedoch, den vergaß sie nicht,
der einst hinter Poltern und Brüllen,
und einem kohlschwarzen Angesicht
verbarg den entschlossenen Willen,
satanische Pflicht zu erfüllen nicht,
und den Hunger der Deutschen zu stillen.

Wenn später einmal der Morgen getagt,
der die Lüge einst schlägt zuschanden,
und wenn die Nachwelt voll Ehrfurcht fragt,
wer damals für Deutschland gestanden,
erzählt auch von jener Friedel und sagt:
"Sie hat alle Proben bestanden."

          Gerd Honsik

(Geschrieben für Friedls achtzigsten Geburtstag,
der 2006 im Waldviertel begangen werden wird.)